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KunstSpuren

Neue Ortsmitte – Das Rathaus

Im Heikendorfer Rathaus nahm man 1981 den Dienst auf. Bereits bei der Auslobung
legte man großen Wert auf die gestalterische Qualität. Der ‚einheitlich mit rotem
Backstein verblendete Bau‘ wächst über einem hufeisenförmigen Grundriss empor, der
statt mit Höhe zu imponieren, sich der allgemeinen Höhe der umliegenden Bebauung
anpasst und nur allmählich ansteigend, mit einem Teil (dem polygonalen Gebäudeteil
mit dem Ratssaal) über den Dächern des Dorfzentrums aufragt. Im Inneren wurde mit
verschiedenen modernen Materialien sowie mit unverputzten Backsteinen gearbeitet.
Die Innengestaltung wird sonst allein durch Bildwerke Heikendorfer Künstler, u.a. auch
von Künstlern der Künstlerkolonie, künstlerisch aufgewertet. Damit entstand neben dem
Schmiedeplatz (ursprünglicher Dorfkern) ein neuer Ortsmittelpunkt für das öffentliche
Leben. Hier finden diverse Feierlichkeiten, wie das Maibaumstellen oder das Anleuchten
in der Weihnachtszeit, ihren Ausgangspunkt.

Das Grundsystem der Wege, die Sie durch Heikendorf beschreiten werden, existierte
grundsätzlich bereits vor einigen hundert Jahren und ist bis heute fast unverändert.
Jedoch wurden Sie von einfachen Trampelpfaden oder etwas breiteren Fuhr- und
Transportwegen zu befestigten Straßen und breiteren Verkehrsachsen ausgebaut.
Nachweise gibt es dazu in Akten aus dem Landesarchiv sowie von Beschreibungen
des Gut Schrevenborn aus dem 17. und 18. Jh. In den Jahrhunderten davor waren
die eigentlichen Verkehrsachsen - soweit aus historischen Akten ersichtlich - über
den Wasserweg nach Kiel.

Um 1900 gibt es erste Belege, dass man konkret einen Ausbau der Wegverbindung
Neumühlen-Neuheikendorf (B502) wünschte. Erst 1958 wurde die Ortsdurchfahrt
endlich in richtigem Maße verbreitert und mit einem durchgehenden Radweg ergänzt.
Eine weitere wichtige Verkehrsachse war die Landstraße von Heikendorf in die Probstei,
vorbeiführend am Gut Schrevenborn. Sie existierte weit früher als die Trasse nach
Neumühlen und war somit auch schon besser befahrbar und mit einer der
Hauptverkehrswege in die Probstei und nach Kiel.

 

Werner Lange

Eine solide Handwerksausbildung als Malermeister (1904–07) in Kiel sollte dem 1888
geborenen Werner Lange als Basis seines künstlerischen Schaffens dienen. Die
anschließende Wanderschaft als Geselle führte Lange quer durch Deutschland und bis
nach Dänemark (Store Heddinge). In den Wintermonaten besuchte Lange bis 1909 die
Kieler Handwerkerschule sowie anschließend bis 1912 die Kunstgewerbeschule in
Hamburg. Ein Studienaufenthalt in Paris 1912/13 sowie Langes einjährige Tätigkeit
(1913/14) im kunstgewerblich ausgerichteten Atelier von César Klein (Berlin) prägten
seine künstlerische Entwicklung.

Der stets offene und wertfreie Blick des Künstlers führte in den Folgejahren dazu,
dass er sich auch modernster Tendenzen nicht verwehrte und stets eine künstlerische
Weiterentwicklung anstrebte. Dabei vergaß er aber nie seine klassisch akademische
und handwerkliche Ausbildung.

Bereits während der Studienzeit in Kiel und Hamburg entwickelte der Künstler, neben
der Dekorationsmalerei, eine besondere Affinität zur gesamtheitlichen Ausgestaltung
von Räumen. So habe sich der Künstler zeitlebens ersehnt, „daß ihm die Möglichkeit
der Gestaltung von Wandflächen und großen Fenstern gegeben werde.
8 Von ihm
entworfene Glasfenster lehnten sich an den geometrischen Jugendstil Wiener Prägung
an und daraus entwickelte er unter Czeschka in Hamburg und unter Klein in Berlin seine
Fähigkeiten in der Mosaikgestaltung weiter. In Paris beschäftigten Lange sich mit
kubistischen Werken und lernte im Berliner Atelier César Kleins weitere
expressionistisch-kubistische Zeitgenossen sowie Vertreter des Futurismus und
Orphismus kennen.

 

Nach Kriegsende kehrte Lange 1918 nach Kiel zurück. 1919 bezog er zusammen mit
seinem Kieler Studienkollegen F. P. Drömmer und seinem Künstlerfreund K. P. Röhl ein
Atelier in der Muhliusstraße in Kiel, was er bis 1927 nutzte. Gemeinsam gründeten sie
die ‚Expressionistische Arbeitsgemeinschaft‘, die bis 1923 Bestand hatte, und sorgten
mit ihren Arbeiten bei diversen Ausstellungen in Schleswig-Holstein als „Dreiergestirn“
Drömmer-Lange-Röhl für Aufregung.

Ab 1923 wurde es ruhiger um den Künstler. Als Lehrer und mit Portraitaufträgen
etablierte Lange sich in Kiel. Von den 1920er bis in die 1940er Jahre rückten
Landschaften als zentrales Bildthema in sein Blickfeld. 1923 nahm Lange an der
„Großen Herbst-Ausstellung schleswig-holsteinischer Künstler“ in Kiel teil. Der Großteil
seiner Arbeiten (Aquarelle) waren schleswig-holsteinische Landschaften. Weitere
Landschaftsstudien entstanden während seiner Studienreise 1928/29 durch Südeuropa
und Kleinasien.

Anfang der 1930er Jahre freundete Lange sich mit dem seit 1929 in Kitzeberg
wohnhaften Oscar Droege an und unternahm mit diesem kleinere Reisen und Ausflüge.
Möglicherweise auf Anraten seiner Künstlerkollegen Droege oder Blunck entschied
sich Werner Lange mit seiner Familie 1938 ein eigenes Haus in Heikendorf zu
beziehen.


Lore und Werner Lange, Arbeit am Fries                                Wohnhaus Lange, Ansicht Bergstraße
in der Dorfstraße

Seit den 1920er Jahren erhielt Werner Lange immer wieder Aufträge für
Wandmalereien, Fenstergestaltungen oder dekorative Raumgestaltungen,
die großenteils nicht erhalten geblieben sind. Beispiele sind, unter anderem die
Glasfenster für die St. Secundus-Kirche in Hennstedt/Dithmarschen (1924/25),
eine Wandmalerei für das Meeresbiologische Forschungsinstitut der CAU in der
Kitzeberger Villa Niemeyer (1936), eine Lünetten-Ausmalung des Regierungsgebäudes
in Eutin (1937) oder die künstlerische Ausgestaltung der Ehrenhalle im Kieler
Rathaus mit Wandmalerei (Sgraffito, 1955). Das Sgraffito-Wandfries am Gebäude
der Heikendorfer Dorfstr. 15A ist eines der wenigen noch erhaltenen öffentlichen
Arbeiten von Werner Lange. Allein anhand von Papierarbeiten (Entwürfe, Skizzen)
ist das große Wirken des Künstlers am Bau nachvollziehbar.

 


Entwurf für ein Wandmalerei im Meeresbiologisches Forschungsinstitut CAU in Kitzeberg,
Aquarell, um 1936

 

8Sabine Behrens/ Henning Repetzky, Werner Lange 1888-1955. Hab ein bisschen Phantasie,
  Kiel 2013, S.74.

 

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