Künstlerkolonie Tervuren
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Zu Gast in Heikendorf: Künstlerkolonie Tervuren
(Mit freundlicher Unterstützung durch euroArt)
Freilichtmalerei aus Flandern und Brabant

Mit dieser Ausstellung, die Landschaften aus Flandern und Brabant aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts präsentiert, möchte das Künstlermuseum Heikendorf eine hier wenig bekannte, sehr frühe Künstlerkolonie vorstellen. Sie entstand in der Nähe von Brüssel, im kleinen Dorf Tervuren, als zweitälteste europäische Schule der Freilichtmalerei nach Barbizon/ Frankreich; denn in Belgien war die künstlerische Orientierung dorthin seit jeher lebendig. Die Maler widmeten sich vornehmlich einer realistischen Landschaftsdarstellung und arbeiteten deshalb direkt in der freien Natur. Ihre Auseinandersetzung mit meist unspektakulären Motiven — im Vergleich zum akademischen Anspruch — führte zu einem neuen Blick, der im weiteren zeitlichen Verlauf in Tervuren im Einzelfall auch in eine impressionistisch, gar expressionistisch orientierte Malweise münden konnte. Der Portraitmaler Camille van Camp (1834–1891) gehörte zu den ersten Künstlern in Tervuren, nachdem er 1859 einige Wochen in Barbizon zugebracht hatte. Offensichtlich schlugen sich die dort gewonnenen Eindrücke in der Farbgebung seines Gemäldes nieder, das in zart-duftigem Kolorit von grau-bräunlichen bis rosafarbenen Nuancen die Violinistin Alice de Harven beim Üben ( portraitiert. Hinzu trat ein neues Interesse für die freie Landschaftsmalerei, wie er sie in Barbizon kennengelernt hatte. Nach einer Unterbrechung kehrte van Camp 1863 mit dem befreundeten Maler Hippolyte Boulenger (1837–1874) nach Tervuren zurück, und sie blieben. Malen wollten sie nun gemeinsam im Geiste der bewunderten französischen Freilichtmalerei. Ihnen erschien das Dorf Tervuren mit seinem „ursprünglichen“ Umfeld ideal für eine belgische Künstlerkolonie. Boulenger malte zunächst in gedämpftem Kolorit mit locker hingesetztem Pinselduktus. In Messe in St. Hubert zeigt sich ein freier Farbauftrag, eine weiche Pinselführung von zerfließendem Kolorit. Boulenger gilt heute als der bedeutendste Erneuerer der belgischen Landschaftsmalerei hin zum Impressionismus. Bald taten es ihnen andere Künstler gleich. Ein Künstler dieser frühen Phase war Edouard Huberti (1818–1880). Um 1860 ergriff er die Malerei, die auch ihn 1874 nach Barbizon führte. Er liebte die offene Landschaft mit vereinzelt stehenden Bäumen, gerne unter grauem atmosphärisch bewegtem Himmel. Dies zeigt beispielsweise Pfad im Wald in locker weich angelegtem Pinselduktus. Seit 1848 bekleidete Joseph Coosemans (1828–1904) den Posten des Gemeindesekretärs in Tervuren. Er entdeckte die Malerei für sich in den 1870er Jahren und hatte großen Erfolg damit: 1887 wurde er zum Professor der Akademie in Antwerpen ernannt. Als Autodidakt hatte auch Alphonse Asselbergs (1838–1916) begonnen, der sich 1867 in Tervuren einstellte. Aus dieser Zeit stammen Gemälde, die in ihrer pastos fleckenartigen Malweise deutlich an Gustave Courbet erinnern. 1871 folgte ihm Jules Montigny (1840–1899). Ihn interessierte vor allem die Darstellung von Tieren in ihrer natürlichen Umgebung zu verschiedenen Tageszeiten und bei unterschiedlichen Wetterlagen. Als die Maler von Tervuren schon 1866 im „Salon de Bruxelles“ ausstellen wollten, trat zutage, Lehrer nicht benennen oder eine malerische Ausbildung nicht vorweisen zu können. Sie fanden ihren künstlerischen Weg als Autodidakten und nannten sich für diesen Zweck kurzerhand selbstbewusst „Schule von Tervuren“. Diese erste Künstlergeneration der „Schule von Tervuren“ legte anfangs ihre Motive in einem relativ dunklen, gebrochenen Kolorit und einer vornehmlich realistischen Freilichtmalerei an. In dieser Hinsicht trat noch das Erbe der niederländisch-flämischen Barockmalerei deutlich zutage. Doch durch den Einfluss der Maler von Barbizon ebneten sie schließlich dem Impressionismus den Weg nach Norden, nach Belgien und in die Niederlande. Gegen 1880 begann die zweite Phase der Künstlerkolonie Tervuren. Es gehörten vor allem die Künstler Guillaume Vogels (1836–1896), Isidore Verheyden (1846–1905), Adolphe Hamesse (1849–1925) und Jean-Baptiste de Greef (1852–1894) dazu, die auch in Heikendorf mit Gemälden vertreten sind. Sie konnten auf dem Fundament der ersten Generation direkt aufbauen und ihre lichtdurchfluteten Gemälde schaffen.

 


     


 

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