KIELER KÜNSTLERINNEN UND KÜNSTLER ZWISCHEN 1918 UND 1945
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Kieler Künstlerinnen und Künstler zwischen 1918 und 1945

Politisch, wirtschaftlich und kulturell leiteten der Matrosenaufstand und die November-
revolution von 1918 auch in Kiel einen radikalen Wandel ein. Die bedeutendste Kieler
Malerin dieser Zeit war Elisabeth Jaspersen, geb. Rüdel. Als Schülerin von Alexander
Kanoldt arbeitete sie im Stil der Neuen Sachlichkeit und studierte 1927 in Paris neben
Tamara de Lempicka.
    Gänzlich unbekannt dagegen ist das künstlerische Werk von Almuth Schwarz geblie-
ben, die in München studierte und von Leo Putz am Chiemsee fortgebildet wurde. Ihre
1918 in der Kieler Kunsthalle gezeigten Blumenstücke, Porträts und Landschaften
wurden sehr positiv besprochen. Doch mit ihrer Heirat 1919 und dem Umzug nach
Berlin begannen die Schwierigkeiten, sich weiterhin künstlerisch zu betätigen. Als
das erste Kind »zur Welt gekommen war, verlor sie das Tauziehen um Wohnort und
ihren Beruf« (USW: S.11). Die Aufgabe der eigenen künstlerischen Aktivitäten zugun-
sten der Familie ist in dieser Zeit für viele Künstlerinnen eher die Regel gewesen als
die Ausnahme.
    Die um 1910 nach Kiel zugezogene Künstlerin Margarethe Klenze war nach dem
Tod ihres Mannes im Ersten Weltkrieg dagegen lange freischaffend tätig. Die Porträt-
malerei war der künstlerische Bereich, in dem sich Geld verdienen ließ, sogar in Kiel,
das besonders für die bildenden Künste ein schwieriges Pflaster war. Bertha Dörflein-
Kahlke, ausgebildet in München und Paris, war eine herausragende Porträtistin, die
sich 1913  Heirat in Kiel niederließ. Obwohl ihr der Spagat zwischen Gattin und Male-
rin einiges abverlangte, galt sie seit den 1930er Jahren als Kieler Meisterin der
Porträtmalerei.
    Die Kahlkes führten ein offenes Haus, in dem u.a. auch Berthas Freundin, die aus
einem sehr kultivierten und vermögenden Elternhaus stammende Kunsthistorikerin und
Grafikerin Lilli Martius, häufig zu Besuch war. Lilli Martius – »nach eigenen Worten eine
›passionierte Einzelgängerin‹« (USW: S. 433) – hatte in Berlin Malunterricht genommen
und das Radieren bei Leo Arndt erlernt. Um finanziell auf eigenen Beinen stehen zu kön-
nen, die Weltwirtschaftskrise warf ihre Schatten voraus, gab sie 1923 ihre künstlerischen
Tätigkeiten abrupt auf und wandte sich dem Studium der Kunstgeschichte zu. Sie arbei-
tete zunächst als Assistentin von Arthur Haseloff, dem geschäftsführenden Direktor des
Kunstvereins und Ordinarius für Kunstgeschichte, und nach dem Zweiten Weltkrieg als
Kustodin der Kieler Kunsthalle. Auch nach ihrer offiziellen Pensionierung 1951 arbeitete
sie noch viele Jahre weiter mit und war wissenschaftlich tätig.
    Den Schwerpunkt dieser Ausstellung, Licht auf das Werk von Kieler Künstlerinnen
aus den Jahren 1918 bis 1945 zu werfen, belegen zudem die Federzeichnungen von
Franziska Hamann, die seit 1922 in Kiel lebte, und die Aquarelle der in Ellerbek gebo-
renen Leonore Vespermann. Beide Künstlerinnen studierten Anfang der 1920er Jahre
an der Kieler Handwerker- und Kunstgewerbeschule und hatten einen Beruf, um ihren
Lebensunterhalt zu sichern. So arbeiteten Vespermann viele Jahre ungern als Rechts-
anwalts- und Notariatsgehilfin und Hamann als technische Zeichnerin.
    Die Präsentation wird abgerundet durch Werke von Heinrich Blunck, der sich als
Repräsentant einer spezifisch schleswig-holsteinischen Kunst verstanden hat, und
Arbeiten von Werner Lange, dem Mitbegründer der kurzlebigen »Expressionistischen
Arbeitsgemeinschaft«. Weitere Mitglieder der Heikendorfer Künstlerkolonie sowie die
Maler Johann Valett und Friedrich Mißfeldt sind ebenfalls vertreten.
   
Ein herzlicher Dank gilt der Kunsthalle zu Kiel, dem Stadt- und Schifffahrtsmuseum
Kiel, der Landesbibliothek Schleswig-Holstein und der Stadtgalerie Kiel sowie den priva-
ten Leihgebern, ohne deren Unterstützung diese Ausstellung nicht möglich gewesen
wäre.

    Die Ausstellung wurde kuratiert von Prof. Dr. Ulrich Schulte-Wülwer und ist der dritte
Teil der Ausstellungsreihe »Kieler Künstler«. Sie wird zeitgleich mit unterschiedlichen
Schwerpunkten in der Heinrich-Ehmsen-Stiftung in der Stadtgalerie Kiel und im
Künstlermuseum Heikendorf gezeigt. Das Buch von Ulrich Schulte-Wülwer »Kieler
Künstler – Von der Weimarer Republik bis zum Ende des Nationalsozialismus« (Bd.3)
ist im Buchhandel und während der Ausstellung in der Stadtgalerie Kiel und im
Künstlermuseum Heikendorf zu erwerben.

 

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